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Demotivation bei (traumatisierten) Kindern: Entstehung, Auswirkung und Strategien zur Veränderung


Demotivation bei trraumatisierten Kindern

In meiner Zeit als Ergotherapeutin war mein Schwerpunkt die Pädiatrie. Ich hatte Kinder in der ergotherapeutischen Behandlung, die motorische und sensorische Schwierigkeiten hatten, Kinder mit Konzentrationsproblemen und die meisten hatten einen eher niedrigen Selbstwert. Ein Ereignis ist mir bis heute hängen geblieben:

Ein etwa 9-jähriger Junge hatte ein Spiel für seinen Vater gebaut. Er hatte sich richtig Gedanken dazu gemacht, wie er es am besten umsetzt. Allerdings haderte er immer wieder zwischendurch mit seinem Ergebnis. Voller Stolz und mit etwas Zurückhaltung zeigte er es seinem Vater. Und dieser sagte: “Das hättest Du auch besser machen können!”

Diese Antwort des Vaters hat mich geschockt und sprachlos gemacht. Ich weiß nur noch, dass der Junge ganz klein wurde und absolut geknickt war und mein Satz, dass ich es sehr gut finde, ist dann nicht mehr bei diesem Jungen angekommen.

Ich weiß aus heutiger Sicht, dass der Vater bestimmt keine einfache Kindheit hatte und für seinen Sohn nur das Beste wollte. Und er war sich wahrscheinlich nicht bewusst, welche Spuren solche Äußerungen bei Kindern hinterlassen. In solchen Situationen höre ich von den Erwachsenen dann den Satz: “Mir hat es auch nicht geschadet.” oder “Ich will meinen Sohn nicht verweichlichen.”

Das Gefühl im Kind bleibt: ‘Ich genüge nicht – ich bin nicht gut genug`, was zu Demotivation führen kann.


Auswirkungen von Demotivation bei (traumatisierten) Kindern

Demotivation bei (traumatisierten) Kindern kann verschiedene Ursachen und schwerwiegende Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit, ihr Selbstwertgefühl und ihre Leistung in der Schule sowie in anderen Lebensbereichen haben.


Psychische Gesundheit: Demotivation kann zu einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit bei Kindern führen. Kinder, die sich ständig demotiviert fühlen, können anfälliger für Depressionen, Angstzustände und andere psychische Probleme sein. Das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Mangel an Selbstwertgefühl können ihr allgemeines Wohlbefinden stark beeinträchtigen.


Akademische Leistung: Demotivierte Kinder können einerseits dazu neigen, eine geringere akademische Leistung zu erzielen. Sie können Schwierigkeiten haben, sich auf ihre Aufgaben zu konzentrieren, Hausaufgaben zu machen oder sich aktiv am Unterricht zu beteiligen. Dies kann zu einem Rückgang ihrer schulischen Leistungen führen und ihr langfristiges akademisches Potenzial beeinträchtigen. Anderseits besteht die Neigung in Richtung Perfektionismus, Leistungsdenken und Workaholic, um das Gefühl des Nicht-Genügens zu kompensieren.


Soziale Entwicklung: Demotivation kann auch die soziale Entwicklung von Kindern beeinträchtigen. Kinder, die sich demotiviert fühlen, ziehen sich möglicherweise von Gleichaltrigen zurück, zeigen ein geringeres Interesse an sozialen Aktivitäten und haben möglicherweise Schwierigkeiten, Freundschaften zu schließen oder aufrechtzuerhalten. Dies kann zu Gefühlen der Isolation und Einsamkeit führen.


Selbstwertgefühl: Eine der schwerwiegendsten Auswirkungen von Demotivation auf Kinder ist die Beeinträchtigung ihres Selbstwertgefühls. Demotivierte Kinder können anfangen, an ihren Fähigkeiten und ihrem Selbstwert zu zweifeln, was langfristig ihr Selbstvertrauen und ihre Fähigkeit, Herausforderungen anzunehmen, beeinträchtigen kann. Ein niedriges Selbstwertgefühl kann auch zu einem erhöhten Risiko von Verhaltensproblemen führen.


Wie Du gelesen hast, kann Demotivation schwerwiegende Auswirkungen auf die Entwicklung und Leistung von Kindern haben, sowohl im schulischen als auch im sozialen Bereich. Es ist wichtig, demotivierten Kindern Unterstützung anzubieten und Wege zu finden, sie zu motivieren und ihr Selbstwertgefühl zu stärken. Durch die Vermittlung von Bewältigungsstrategien und die Schaffung eines unterstützenden Umfelds können demotivierte Kinder wieder Hoffnung, Motivation und Freude am Lernen finden.


Tipps und Strategien für intrinsisch motivierte und erfolgreiche Kinder

  1. Setze zusammen mit dem Kind realistische Ziele: Ziele geben Kindern eine klare Vorstellung davon, was sie erreichen können. Es ist wichtig, Ziele zu setzen, die herausfordernd, aber erreichbar sind. Dies hilft Kindern, sich zu engagieren und ihre eigenen Fortschritte zu sehen.

  2. Gib konstruktives Feedback: Lobe das Kind für seine Bemühungen und Erfolge und gib auch konstruktives Feedback, das ihnen hilft, sich zu steigern. Zeig ihnen, was sie gut gemacht haben, und gib ihnen Hinweise, wie sie sich weiterentwickeln können oder schaut gemeinsam danach, was noch anders gemacht werden kann.

  3. Schaffe eine unterstützende Umgebung: Kinder brauchen eine Umgebung, die sie ermutigt und unterstützt. Schaffe einen Raum, in dem sie sich sicher fühlen und frei sind, Risiken einzugehen und Fehler zu machen, ohne Angst vor einer Bestrafung zu haben.

  4. Interessante Lernmöglichkeiten bieten: Mach' Lernen spannend und interessant, indem du verschiedene Lernmöglichkeiten anbietest, ggf. auch über verschiedene Sinne. Verwende Spiele, Aktivitäten und Projekte, um das Interesse der Kinder zu wecken und sie zum Lernen zu motivieren.

  5. Sei ein Vorbild: Kinder lernen durch Beobachtung und Nachahmung. Sei ein Vorbild für Motivation, indem Du Deine eigenen Ziele setzt und daran aktiv arbeitest, um sie zu erreichen. Und das Du bereit bist, Dich mit Schwierigkeiten auseinanderzusetzen.

  6. Belohne Erfolge: Belohne Kinder für ihre Bemühungen und Erfolge, sei es durch verbale Anerkennung und ggf. kleine Geschenke (z.B. eine besondere gemeinsame Zeit). Dies hilft ihnen, positive Verstärkung zu erleben und motiviert sie, weiterhin ihr Bestes zu geben.

  7. Ermutige Selbstständigkeit: Gib Kindern die Möglichkeit, selbstständig zu handeln und Entscheidungen zu treffen. Dies stärkt ihr Selbstvertrauen und ihre Motivation, da sie sehen, dass sie Einfluss auf ihr eigenes Leben haben.

  8. Biete Unterstützung bei Hindernissen: Sei da, um Kinder zu unterstützen, wenn sie auf Hindernisse stoßen oder Schwierigkeiten haben. Finde gemeinsam mit ihnen eine Lösung. Zeige ihnen damit, dass Du an sie glaubst und sie ermutigst, weiterzumachen, auch wenn es schwierig wird.


Es ist wichtig, Geduld und Einfühlungsvermögen zu zeigen und den individuellen Bedürfnissen jedes Kindes gerecht zu werden, um darin ihre ganz individuelle Persönlichkeit entwickeln zu können.

Ich wünsche Dir viel Freude beim Ausprobieren!


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